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Stefan Feulner – Ein Gespräch

Anfang Mai 2021 fand Stefan Feulner Zeit, uns in einem Interview etwas über sich zu erzählen. Dabei hatte er spannende Geschichten, Nachdenkliches , Kurioses und einiges mehr zu erzählen.
Viel Spass beim Lesen.

Hallo Stefan, schön, dass du Zeit hast.
Von mir auch einen guten Abend.

Dann lass uns mal loslegen. Du bist Ur-Streitauer, richtig?
Das ist richtig. Ich bin in Streitau (Hausgeburt) geboren, groß geworden und lebe mit meiner Familie immer noch hier.
Damals war Streitau sogar noch eine eigenständige Gemeinde.

Wie wird man denn in Streitau groß?
Na ja, einen Kindergarten gab es damals noch nicht. Da hat die Oma für die berufstätigen Eltern auf uns aufgepasst. War kein Problem, denn die Mutter arbeitete ja vor Ort bei der Firma Günther und wenn es mal was Wichtiges gab dann konnte man auch mal schnell zur Mutter in die Weberei gehen. Mein Vater hat bei der Firma Rogler in Gefrees gearbeitet.
Ich hatte aber auch das Glück, durch die geburtenstarken Jahrgänge einen großen Freundeskreis hier im Dorf zu haben. Dadurch war natürlich immer „Action in Streitau“. Und für uns Jungs gab es eh nur eines: „Von der Schule heim und nichts wie zum Bolzen!“ Wenn uns auch hier und da dann der Bauer mit der Mistgabel von seiner Wiese vertrieben hat.

Was hat sich seit deinen jungen Jahren verändert?
Die Firma Günther gibt es ja nicht mehr. Daher ist wohl auch an Zuzügen der Menschen hier nicht mehr viel passiert. Viele sind aufgrund der beruflichen Situation weggezogen. Die Einwohnerzahl von Streitau hat sich seit meiner Jugendzeit um ein Viertel reduziert.

Wie hat man denn seine Freizeit verbracht?
Ich bin ja in die Ganztags-Realschule in Gefrees gegangen. Das war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte! Dort war es wie in einer großen Familie, ein ganz tolles Verhältnis zwischen den Lehrern und Schülern.
Allerdings war dann mit der Freizeit nach der Schule nicht mehr ganz so viel möglich. Aber an den Wochenenden ging unsere Clique dann gemeinsam zu Fuß in die Piroschka nach Falls.
Später als man selbst mobil war, wurden auch schon mal die Discotheken im Umkreis unsicher gemacht. Natürlich war am Wochenende auch immer Fußball angesagt.

Wobei wir schon bei deiner Herzensangelegenheit sind. Fußball.
Ja, kann man sagen. Der TSV Streitau ist eine Heimat für mich.
Der TSV hat den einzigen Fussballplatz mit Zuganbindung! (lacht).Aber leider ohne Halt.
Zu meiner Jugendzeit gab es eben nur Fußball und so habe ich von der Schüler-, über die Jugend- bis zu den Seniorenmannschaften immer beim TSV gespielt. Und ich wurde mit allen Mannschaften mindestens einmal Meister. Ich glaube das können nicht viele beim TSV behaupten. (grinst)
Ich komme aus einer Fußballerfamilie. Mein Vater und mein Onkel waren sogenannte Macher,
mit vielen anderen, mit Fleiß und Engagement haben sie etwas geschaffen, was man jetzt oft mit einer der schönsten Sportanlagen weit und breit bezeichnet.

Leider wurde die Spielerdecke in den vergangenen Jahren immer dünner. und es wurde immer schwieriger. Aber Gott sei Dank konnte man mit Spielgemeinschaften, erst mit dem FC Stammbach und jetzt mit dem FC Gefrees einen geregelten Spielbetrieb aufrecht erhalten. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut und jeder Verein behält doch noch seine Eigenständigkeit.
Das größte Problem ist hier der fehlende Nachwuchs. Früher hatten wir eine eigene Schüler- bzw. Jugendmannschaft, davon können wir heute nur noch träumen. Es sind einfach nicht mehr genügend Kinder im Ort, um vor allem für die einzelnen Altersgruppen genügend Spieler bzw. Spielerinnen zu haben.

Und wie ist heute die Stimmung bei den Mitgliedern?
Das kann man eigentlich jetzt auch noch nicht, nach über einem Jahr Pandemie und keinerlei erlaubten Aktivitäten beurteilen.
Ich hoffe und wünsche mir, dass in den Menschen die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Geselligkeit und gemeinsamen Sporttreiben nicht verloren gegangen ist.

Wie reagieren denn die Menschen, gerade in Streitau, auf diese ganzen Dinge?
Das muss sich zeigen! Aber wir haben in Streitau seit einigen Jahren ein gut funktionierendes und kreatives Gremium. Das Vorständetreffen!
Hier setzen sich die jeweiligen Vereinsvertreter, Kirchenvorstände und Streitauer Stadträte unter der Moderation unseres Pfarrers mehrmals im Jahr zusammen und machen dort Terminabsprachen, die Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen (wie z.B unsere Kärwa, die dadurch am Leben gehalten werden konnte, und von der Bevölkerung gut angenommen wird).
Auch gemeinsame Aufräum- und Arbeitseinsätze an unserem Wallberg werden hier organisiert und durchgeführt.
Ich denke uns Allen liegt eine funktionierende Gemeinschaft hier in unserem Dorf sehr am Herzen.
Das war für mich auch der Grund, 30 Jahre lang im Kirchenvorstand und auch als Vertrauensmann tätig zu sein.
Dadurch lernte ich die Leute besser kennen und zu schätzen, aber auch ihre Sorgen und Nöte sind einem dann nicht gleichgültig.

Wie stehst du denn zu all dem auf Basis der Kirche?
Kirche ist Gemeinschaft, gerade hier in so einem überschaubaren Dorf. Als bekennender Christ gehört unser Ort und die Menschen mit in meine Gebete und ich weiß dass viele Menschen dies auch hier in Streitau tun. Kirche bedeutet für mich Gemeinschaft und Geborgenheit.
Davon will ich durch mein Engagement auch etwas zurückgeben.

Was gibt es denn schönes in Streitau?
Wir haben einen tollen Posaunenchor, einen über die Grenzen bekannten und beachteten Chor (Gesangverein). Eine schöne Kirche und ein geräumiges Gemeindehaus. Einen Kindergarten!
Der Schützenverein hat in dem ehemaligen Goller(-) Anwesen (war schon mal ein Wirtshaus, allerdings vor meiner Zeit) ein uriges Dorfwirtshaus als Dorftreff entstehen lassen.
Und natürlich haben wir ja noch eine super Sportanlage mit schönem Sportheim. Dort besteht ja auch seit einiger Zeit eine Bereitschaftswache des BRK, was für Streitau und Umgebung eine schnelle Hilfe vor Ort bedeutet.

Das gute an so einem überschaubaren Dorf ist, man kennt sich hier. Und wer sich darauf einlässt gehört sozusagen zu einer großen Familie.
Und wir haben es doch wirklich hier schön, gerade in dieser Zeit, habe ich das noch mehr schätzen und genießen gelernt. Du gehst aus der Haustür raus und bist schon in der Natur, umgeben von Wiesen und Wäldern So haben doch uns die Einschränkungen, die wir im letzten Jahr erfahren mussten gar nicht so betroffen.

Gibt es etwas, was du an Streitau nicht magst?
Schade ist, wenn Vereine in Streitau Feste oder Veranstaltungen anbieten, und von den Einheimischen nicht besucht werden.
Wir haben in letzter Zeit doch einige Zuzüge. Hier hoffe ich und wünsche mir, dass es gelingt sie in die Dorfgemeinschaft zu integrieren.
Und die Aussage die du gemacht hast, dass hier ein Dorfladen schön wäre, finde ich auch gut!

Du sprichst viel von den Vereinen, wo du dementsprechend agierst. Hast du keine Familie?
Ja, habe ich! Familie ist mir sehr wichtig! Man kann all diese Ämter nur machen, wenn eine verständnisvolle und starke Ehefrau und Familie hinter einem stehen.
Und soweit es meine Zeit und Kräfte erlauben werde ich mich auch weiterhin für die Belange der Menschen in unseren Dorf und dem TSV einsetzen.
Jedoch nach all den Jahren, alles in Maßen!
Ich bin dankbar und genieße es jetzt mitzuerleben wie unsere Enkelkinder heranwachsen.

Dann sagen wir mal herzlichen Dank.
Ich bedanke mich auch!

Ich hätte noch ein kleines G`schichtla

Es ist schon einige Jahre her. Da haben die Vereine vom Ort gemeinsam tolle Faschingsabende veranstaltet. Diese waren zur damaligen Zeit rappelvoll. Die Vereine haben durch Beträge zum Gelingen dieser Abende beigetragen.
Der Armin (Baltruschat. Anm. d. Red.) und ich traten in der Bütt als Ritter „Hinz & Kunz von Wallenrode“ auf.
So haben wir das Dorfgeschehen, wie das beim Fasching halt so üblich ist ins Visier genommen.
Das wurde natürlich in die Ritterzeit übertragen. Wir hatten in Streitau einen älteren Herrn, der meistens spät abends ins Wirtshaus zum „Koppmeier“ ging. War natürlich für uns klar, dass das ist unser Nachtwächter, der immer nach dem rechten schaut.
Blöd war, das genau dieser ältere Herr nicht auf der Faschingsveranstaltung war. Dafür aber der Nachbar. Zitat: „Ohhhh, der Armin und der Stefan, die ham dich durch den Kakao gezogen …“
Daraufhin hat sich der Mann fürchterlich aufgeregt.
Da Armin direkt danach in den Urlaub fuhr, hab ich dann alles abbekommen. Da stand ich dann bei dem Herrn in seinem Wohnzimmer und habe Abbitte leisten müssen. Zum Glück hatte aber seine Frau eingelenkt und gemeint, das war doch alles harmlos. So beruhigte sich der Mann Gott sei Dank wieder.“ (*lacht).
Aber so ist es in Streitau. Da musst du schon aufpassen, was du sagst, das Dorftelefon funktioniert. Aber einmal ins Herz geschlossen, ist man in der Gemeinschaft.

Mit diesem Tipp möchten wir dir ganz herzlich für dieses Gespräch danken und dir – und auch uns – wünschen, dass du Streitau immer erhalten bleibst.

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